Literaturempfehlungen

Wolfgang Berner (2011): Perversion. Psychosozial-Verlag, Gießen. Reihe: Analyse der Psyche und Psychotherapie.


Empfehlung: Peter Daniel

Der renommierte Sexualwissenschaftler, Psychiater und Psychoanalytiker Wolfgang Berner war bis 2010 Direktor des Institutes für Sexualforschung und forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, an dem auch lange Jahre zuvor Eberhard Schorsch wirkte. Vormals als therapeutischer Leiter einer Justiz-Sonderanstalt für Sexualstraftäter in Wien beschäftigte sich Berner schwerpunktmäßig mit Sexualdelinquenz und der Pädophilie sowie die Gruppentherapie von pädosexuellen Männern.
In diesem Jahr legte er ein übersichtliches und gut systematisiertes Buch zum Phänomenbereich der Perversion in der verdienstvollen und den neueren Stand der Forschung berücksichtigenden Reihe ?Analyse der Psyche und Psychotherapie? vor.
Im Format eines Taschenbuches werden auf 140 Seiten die (psychoanalytischen) Essentials der Phänomene, Struktur und Psychodynamik von Perversionen zusammengestellt. Der Klappentext dazu: ?Ein zentrales Anliegen des Bandes ist es, zu zeigen, dass und wie die klassische Psychoanalyse ? etwa bei Fetischismus, Exhibitionismus oder Sadismus ? hilfreich sein kann. Dabei werden die für eine Psychotherapie notwendigen Parameter betrachtet und auch weitere mögliche Therapieformen vorgestellt?. Das Buch ist für alle Diagnostiker und Psychotherapeuten gut und verständlich zu lesen, zudem veranschaulicht es anhand von zahlreichen, eindrücklichen Fallbeispielen die Thematik.
Die Gliederung des Buches greift die Aspekte von Perversionen unter den Stichworten auf:
- Klassifikation in der Psychiatrie: Störungen der Sexualpräferenz oder Paraphilie
- Die Entwicklung des psychoanalytischen Perversionsbegriffs
- Der Trieb: Ein Grenzbegriff zwischen Psyche und Körper
- Erscheinungsformen der Perversion: Fetischismus, Sadomasochismus, Pädosexualität und Pädophilie, Exhibitionismus, Pornografiekonsum; Exkurs: Perversionen bei Frauen
- Unterschiede in Intensität und Verlauf
- Konsequenzen für die psychotherapeutische Arbeit: Eine Basis-Therapie zur Ich-Stärkung; Entsexualisierung der Übertragung; Das Dilemma in der Behandlung pervers erotischer Übertragungen; der Ausweg aus dem Dilemma - Prinzipien einer psychoanalytischen Behandlung von Perversion; Medikamentöse Behandlung
- Schlussbemerkung: Identitätsverlust und Persönlichkeit

Auch wenn ein Stichwortregister wünschenswert gewesen wäre, stellt es doch ein reichhaltiges und anregendes Buch auch für das im vollzuglichen Bereich arbeitende Fachpersonal dar.




J. Kinzig: Empirische Erkenntnisse zur Sicherungsverwahrung als Grundlage der gutachterlichen Beurteilung.


In: Norbert Nedopil (Hrsg.). Die Psychiatrie und as Recht - Abgrenzung und Brückenschlag.
Pabst, Lengerich/Berlin
Empfehlung: Heike Mohr

Seit Mitte der 90er Jahre wurde bis 2010 immer häufiger eine Sicherungsverwahrung angeordnet. Noch stärker wuchsen Strafvollzug und Maßregelvollzug. "Der Boom dieser Maßregel findet jedoch kein Gegenstück bei der Entwicklung der Schwer-, insbesondere der Tötungs- und Sexualkriminalität," analysiert Prof. Dr. Jörg Kinzig (Tübingen).
Neuere Rückfalluntersuchungen weisen auf eine erhebliche Überschätzung der Gefährlichkeit von Häftlingen und Sicherungsverwahrten hin.
"Nach der neuen Rückfallstatistik bewegt sich die schwere Rückfälligkeit entlassener über 60-jähriger Straftäter unter zwei Prozent. Selbst bei den 50- bis 60-jährigen liegt sie noch unter drei Prozent." Vor diesem Hintergrund hält Kinzig es für erforderlich, bei der Beurteilung von "Altfällen", d.h. alten, ehemals hochgefährlichen Straftätern eine besonders sorgfältige Diagnostik vorzunehmen,
Die Zahl der Sicherungsverwahrten hat sich zwischen 1995 und 2010 beinahe verdreifacht und ist auf 536 angestiegen. Dank der Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs dürfte die Zahl inzwischen unter 500 gesunken sein.




Lackinger, F., Dammann, G., Wittmann (2008): Psychodynamische Psychotherapie bei Delinquenz. Praxis der Übertragungsfokussierten Psychotherapie.


Empfehlung: Peter Daniel

Die Autoren stellen, wenn auch stringent unter dem Gesichtspunkt der ÜFP, auf 472 Seiten wesentliche Grundzüge der Struktur und Dynamik von Kriminalität ausführlich dar. Das Spektrum der Darstellung reicht von Diagnostik und Indikation, Rahmenbedingungen und Vereinbarungen, therapeutischem Prozess, zur Dynamik von Perversion und Übertragung, Grenzen der Behandelbarkeit, stationäre Anwendungen, komplementäre therapeutische Ansätze, empirische Befunde bis zu einer Synopsis als einem Vergleich mit anderen Therapieverfahren, Fragen und Indikation, und Modifikationen im forensischen Kontext. Sowohl klassische als auch moderne Konzepte zum Verstehen und zur Behandlung von Straffälligen finden breite Berücksichtigung, z.B. Konzepte der Antisozialität im Werk von Kernberg; Fonagys Mentalisierungskonzept und Delinquenz, OPD, AAI, Verbrecher aus Schuldgefühl? usw. Ein für jeden Therapeuten, der im Bereich der Behandlung von Delinquenten zu tun hat, unbedingt empfehlenswertes, weil ungemein bereicherndes Buch. Überdies ist es didaktisch sehr übersichtlich aufgebaut und enthält ein ausführliches Sachregister.




Maisch, Herbert (2007): Das Unverstehbare verstehen: Acht forensisch-psychologische Täterbegutachtungen im Strafprozess


Herausgegeben von RODE, I.A., JACOBS, G., Psychosozial-Verlag Gießen.
Empfehlung: Peter Daniel

Das Buch enthält Auszüge aus den Gutachten des forensischen Psychologen Herbert Maisch (1928-1997), in denen er Delikte wie Partnertötungen, Rivalentötungen, sexuell motivierte Tötungen und Kindstötungen psychologisch analysiert und mit strafrechtlich relevanten Fragen verknüpft. Ergänzt werden die Gutachten durch ein Nachwort des Strafverteidigers Heinrich Hannover, biographische Angaben zu H. Maisch, sowie Auszüge aus einem Interview mit ihm aus dem Jahre 1986, in dem er zu zentralen Fragen der Rechtspsychologie Stellung nimmt.

H. Maisch studierte Germanistik und Theaterwissenschaften, war jahrelang als Schauspieler und Regisseur tätig und arbeitete nach einem Psychologiestudium als klinischer Psychologe in der Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf in Hamburg. Seit 1971 war er in eigener Praxis und bundesweit als Gerichtsgutachter tätig. Da in der Darstellung auf psychologische Termini weitgehend verzichtet wird, liest sich das der psychodynamischen Darstellung nahestehende Buch recht flüssig. Es beeindruckt überdies durch seine differentiell-psychologische Schärfe. Gerade weil ausschließlich auf Tötungsdelikte Bezug genommen wird, berührt es sowohl durch einen humanen Umgang mit den Straftätern als auch durch einen empathischen Respekt, mit dem Maisch das "Fallmaterial" sprechen lässt.
Empfehlenswert!




Heidi Möller: Verführen, Belügen, Manipulieren. Zur Psychopathologie des Betrügers.


Persönlichkeitsstörungen 2009; 13: 241-247
Empfehlung: Peter Daniel

Ausgehend von einer Phänomenologie der Betrüger wird in diesem Beitrag ein explorativer Versuch einer Ätiologie der Persönlichkeitsstörung dieser Tätengruppe vorgenommen. Die Kunst der mimetischen Anpassung an ihre Opfer wird entwicklungspsychologisch hergeleitet. Implikationen für eine Psychotherapie mit Tätern dieser Deliktgruppe in der Totalen Institution Gefängnis werden skizziert.




Pfäfflin, F., Fontao, M.I., Ross, Th. (2008): Behandlung von Persönlichkeitsstörungen im Maßregelvollzug. Stand der Forschung.


In: Schmidt-Quernheim, F., Hax-Schoppenhorst (2008): Professionelle forensische Psychiatrie. Behandlung und Rehabilitation im Maßregelvollzug (181 ff.). Huber, 2. Aufl.
Empfehlung: Peter Daniel

Der Beitrag gewährt einen vertiefenden Ein- und Überblick in den Forschungsstand zum Thema Persönlichkeitsstörungen, der nicht nur für den Maßregelvollzug von Interesse sein dürfte.




Rauchfleisch, U. (2008): Psychodynamisch orientierte Arbeit mit Straftätern.


In: Schmidt-Quernheim, F., Hax-Schoppenhorst (2008): Professionelle forensische Psychiatrie. Behandlung und Rehabilitation im Maßregelvollzug (S. 175-181). Huber, 2. Aufl.
Empfehlung: Peter Daniel


Als ausgewiesener Kenner und Modulierer eines systematischen (psychoanalytischen) Verstehens von Kriminalität und Straffälligen legt Rauchfleisch hier ein Konzentrat seiner langjährigen Arbeit unter dem Stichwort Psychodynamische Arbeit vor. Hierbei erörtert er Aspekte wie die Frage der Behandlungs- und Mitarbeitsmotivation, aggressives Verhalten und Impulsivität, anklammerndes und entwertendes Verhalten gegenüber Professionellen und Fallstricke in der Begleitung straffälliger Menschen. Das letztgenannte Kapitel gibt auch wesentliche psychohygienische Leitlinien an die Hand, die zu beherzigen dem Professionellen eine echte Hilfe in der schwierigen Arbeit mit einem schwierigen Klientel sein können.




Gerd Rudolf (2004): Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen.


Stuttgart: Schattauer
Empfehlung: Peter Daniel

Gerd Rudolf, von Hause aus Psychoanalytiker, Obergutachter und Mitbegründer der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD), der über Jahrzehnte lange praktische Erfahrungen in der Diagnostik und Behandlung von sog. früh Gestörten verfügt, fasst in seinem Buch die Forschungsergebnisse der letzten Jahre aus den Bereichen u. a. der psychoanalytischen Erkenntnisse über Grundstörungen, Emotionsforschung, OPD, Säuglingsforschung und Bindungstheorie zusammen und legt, als Destillat, ein auf die Gruppe von Grundstörungen zugeschnittenes und stringent durchgeformtes Behandlungskonzept eigener Prägung vor. Neben einer Fülle von inhaltlichen Hinweisen hat sein Buch den besonderen Wert darin, dass er dem Praktiker konkrete und strategische Hilfestellungen für die behandlerische Arbeit mit Ich-strukturell gestörten Persönlichkeiten bereitstellt.





Zeitschriften



Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie


Empfehlung: Peter Daniel

Herausgeber
Priv.-Doz. Dr. phil. Klaus-Peter Dahle Institut für Forensische Psychiatrie Charite - Universitätsmedizin Berlin Limonenstraße 27, 12203 Berlin, Germany;
Prof. Dr. jur. Dieter Dölling Institut für Kriminologie Juristische Fakultät Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Friedrich-Ebert-Anlage 6-10, 69117 Heidelberg, Germany;
Prof. Dr. med. Hans-Ludwig Kröber Institut für Forensische Psychiatrie Charite - Universitätsmedizin Berlin Limonenstraße 27, 12203 Berlin, Germany;
Prof. Dr. med. Norbert Leygraf Institut für Forensischen Psychiatrie Rheinische Kliniken Essen
Kliniken der Universität Duisburg-Essen Virchowstraße 174, 45174Essen, Germany;
Prof. Dr. med. Henning Saß Ärztlicher Direktor Universitätsklinikum Aachen Pauwelsstraße 30
52074 Aachen, Germany;

Wissenschaftlicher Beirat
W. Berner, Hamburg; T. Bliesener, Kiel; R. Deckers, Düsseldorf; E. Habermeyer, Rostock; J.-M. Jehle, Göttingen; G. Köhnken, Kiel; F. Lösel, Cambridge; J. Müller, Göttingen; R. Müller-Isberner, Haina; N. Nedopil, München; W. Pfister, Karlsruhe; H. Schneider, Karlsruhe; H. Schöch, München; D. Seifert, Essen; M. Steller, Berlin; R. Volbert, Berlin; T. Wolf, Marburg;

Die Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie versteht sich als Forum für die wissenschaftliche Erörterung der Ursachen und Folgen von Straffälligkeit. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Beziehung ist zwischen Personen, sozialem Umfeld und Delinquenz. Dabei geht es um Strafverfolgung, Intervention und Prävention.
Die Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie wendet sich an
forensische Psychiater und Psychologen, die in Gerichtsverfahren oder im Straf- und Maßregelvollzug diagnostisch oder therapeutisch tätig sind, Kriminologen in Forschung und Praxis, Richter, Staatsanwälte, Strafverteidiger und Strafrechtslehrer, Bewährungshelfer, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Erzieher im Straf- und Maßregelvollzug, Kriminalbeamte und Kriminalisten.

Die Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie bietet in ihren Rubriken die Auseinandersetzung zu Fragen der Schuldfähigkeitsbeurteilung, der Rechtsfolgenfestsetzung, der Verlaufsforschung bei unterschiedlichen Tätergruppen und zu den methodischen Problemen der Kriminalprognose. Sie informiert über Ergebnisse aussagepsychologischer Forschung, sowie über Ergebnisse der Evaluation von therapeutischen und sozialpädagogischen Maßnahmen.
Die Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie möchte zum interdisziplinären Dialog auffordern zwischen den Rechtswissenschaften auf der einen und den psychiatrisch-psychotherapeutisch-psychologisch-kriminologisch tätigen Disziplinen auf der anderen Seite. Dabei geht es um die Entwicklung und Diskussion neuer Konzepte, sowie um die Förderung und Sicherung der Qualität der forensischen Begutachtung, der Täterbehandlung und des strafrechtlichen Umgangs mit delinquent gewordenen Menschen.

ISSN 1862-7072
Erscheinungsweise: 4 Hefte pro Jahrgang
Abonnement 2008 inkl. Online-Zugang:
EUR 195,- (Preis für persönliche Abonnenten),
EUR 345,- (Institutspreis)

Die Ausgabe 1/2011 der Fachzeitschrift Persönlichkeitsstörungen (PTT) macht das Thema Antisoziale Persönlichkeitsstörung zum Schwerpunkt. Dabei werden u.a. sowohl genetisch neuroanatomische Korrelate von antisozialem und kriminellem Verhalten, als auch Differenzialtypologie aggressiver Persönlichkeiten wie auch Fragen der stationären und sozialtherapeutischer Behandlerbarkeit von Delinquenten erörtert.
Empfehlung: Peter Daniel




Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis (VPP)


Empfehlung: Gerd Asselborn

Blick über den Tellerrand/die Anstaltsmauern:
Hinweisen möchte ich auf das spannende Heft 1/2013 der Zeitschrift Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis (VPP) zum Schwerpunktthema "Gesellschaft, Selbst und Psychotherapie" mit den Artikeln
"Entgrenzung des Therapeutischen- Psychotherapie zwischen Ökonomisierung und Veralltäglichung" von Stefanie Duttweiler,
"Wider die soziale Amnesie der Psychotherapie und zur (Wieder-) Gewinnung ihres gesellschaftsdiagnostischen Potentials" von Heiner Keupp und
"Konfusion (post-)moderner Psychotherapie: verstörte Gesellschaften, verstörte Organisationen, verstörte Individuen und kein Schamane in Sicht" von Werner Vogd.


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